Forschung

Forschungsschwerpunkt Familienunternehmen

Hintergrund der Forschungsmotivation

Die Wichtigkeit von Familienunternehmen für die volkswirtschaftliche Entwicklung ist anhand unterschiedlichster Studien deutlich erkennbar. In Österreich sind 80 % aller Unternehmen Familienbetriebe, welche etwa 70 % aller Arbeitnehmer beschäftigen (KPMG, 2015). Einer Studie der Wirtschaftskammer Österreich (2013) folgend sind es sogar 90 %, wobei hier die EU-Definition von Familienunternehmen verwendet wurde. Gemäß statistischem Bundesamt in Deutschland gab es im Jahr 2011 3,6 Mio. Unternehmen, wobei das Institut für Mittelstandsforschung (IfM) im Jahr 2013 3,7 Mio. Unternehmen nennt. Die Stiftung Familienunternehmen (2011) zeigt, dass ca. 90 % dieser Unternehmen (also etwa 3,4 Mio.) Familienunternehmen sind.

Ein wesentlicher Punkt in der Erhaltung der Wettbewerbsfähigkeit von Familienunternehmen ist die Unternehmensübergabe, welche aus Sicht unterschiedlichster Stakeholder als kritisch angesehen wird. Aus einer Studie der PwC (2014) geht hervor, dass mehr als 50 % aller Familienunternehmen eine Übergabe an die nächste Generation in den nächsten 5 Jahren vornehmen möchte. In diesem Zusammenhang planen 4 % das Unternehmen zu verkaufen, wobei nur 22 % der Familienunternehmen über einen Nachfolgeplan verfügen. Diese Aspekte decken sich mit einer eigenen Studie, bei welcher das Institut für Grenzüberschreitende Restrukturierung mitgewirkt hat (Märk & Situm, 2016).

In der Literatur werden unterschiedlichste Erfolgsfaktoren für eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge genannt. Ungeachtet dieser bisherigen Kenntnisse kann nicht klar determiniert werden, welche unterliegenden Faktoren vorliegen müssen, damit auch wirklich eine erfolgreiche und risikolose Nachfolge angetreten werden kann. Eine wesentliche Besonderheit von Familienunternehmen ist, dass diese einem Dualismus (Ko-Existenz) von Familiensystem und Geschäftssystem gegenüber stehen (Rüsen, 2009, S. 48). Dieser Aspekt ist die Ursache von Nachfolgeproblemen oder Familienkonflikten, welche dann entstehen, wenn diese beiden Systeme miteinander interagieren (Gimeno, Baulenas & Coma-Cros, 2010, S. 7). 

Literatur:

  
Ziele der Forschungsbemühungen

Auf Grund der Verknüpfung von Prozessen im Familienunternehmen mit den Erscheinungen von Unternehmenskrisen, wurde am Institut für Grenzüberschreitende Restrukturierung ein eigener Forschungsschwerpunkt definiert, welche folgende Ziele bzw. Fragestellungen verfolgt:

  • Sicht externer Stakeholder hinsichtlich Kooperation mit Familienunternehmen und deren Akteuren
  • Internationalisierung von Familienunternehmen
  • Der Wert der Marke bei Familienunternehmen
  • Innovationsgrad bei Familienunternehmen im Vergleich zwischen Übergeber und Übernehmer
  • Verhalten von Familienunternehmen in der Krise

 
Publizierte Forschungsergebnisse

Abstract:

Familienunternehmen spielen in Deutschland und Österreich eine bedeutende volkswirtschaftliche Rolle und es ist daher von großer Relevanz, dass sie erhalten bleiben. Dieses Fortbestehen ist mit der Anforderung einer vernünftig geregelten Unternehmensübergabe verbunden, was größtenteils bedeutet, dass ein interner Nachfolger gesucht und aufgebaut wird. Mit der einhergehenden Übergabe wird ein neues Management eingesetzt und dadurch ergeben sich schwierig vorhersehbare Einflüsse auf die weitere Entwicklung des Familienunternehmens. Es kann sich nicht selten auch herausstellen, dass eine interne Unternehmensnachfolge nicht sinnvoll erscheint, weil bestimmte Faktoren nicht erfüllt sind, um eine nachhaltige Entwicklung gewährleisten zu können. Im Zuge einer kürzlich durchgeführten Studie wurde die Gestaltung der internen Nachfolge auf den Prüfstand gestellt und es galt heraus zu finden, unter welchen Bedingungen es sinnvoll ist, eine Übergabe intern vorzunehmen.
  
Publiziert in:
Erber, T., Exler, M. W., & Situm, M. (2016). Die interne Unternehmensnachfolge auf dem Krisen-Prüfstand:  Ergebnisse zu ausgewählten Fragestellungen einer Expertenbefragung. Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung, 13(2), 53-59.

Abstract:

Kreditinstitute stellen wichtige Finanzierungspartner für die europäische Wirtschaft dar. Sie verleihen Geld an Unternehmen und erhalten hierfür Zinsen. Die Entscheidung zur Vergabe eines Kredites an ein Unternehmen ist jedoch in der Praxis häufig nicht einfach, da unterschiedlichste Risikoarten berücksichtigt werden müssen, wobei Familienunternehmen spezifische Risiken besitzen. In dieser Arbeit wird ein neuer Ansatz in den Mittelpunkt gestellt: Es vereint die Aspekte der Finanzierungstheorie und deren Risiken mit den Möglichkeiten der internen und externen Unternehmensnachfolge. Kreditprüfer wurden hinsichtlich deren Sicht über die Präferenz zwischen interner und externer Unternehmensnachfolge befragt. Es werden nicht nur die Forschungsergebnisse vorgestellt, sondern auch ein Ansatz skizziert, bei welchem die Themen Krise und Familienunternehmen kombiniert werden, um schlussendlich eine mögliche optimale Kapitalstruktur vor Unternehmensübergabe zu bestimmen, welche im Einklang mit bisherigen anerkannten Finanzierungstheorien steht.
   
Publiziert in:
Märk, S., & Situm, M. (n.o). The succession process from the perspective of financial institutions: A focused view on external vs. internal succession. International Journal of Entrepreneurship and Small Business [in Bearbeitung].

Abstract:

Wie sieht die Ausrichtung heimsicher Unternehmer aus? Wie planen sie ihre Nachfolge? Mario Situm, Professor an der Fachhochschule in Kufstein, hat gemeinsam mit Stefan Märk von der FH Salzburg bei 36.000 Familienunternehmen in Westösterreich nachgefragt und uns verraten, was sie herausgefunden haben.
 
Publiziert in:
Märk, S., & Situm, M. (2016). Unternehmer werden regionaler. Die Wirtschafthttp://www.die-wirtschaft.at/die-wirtschaft/interview-unternehmer-werden-regionaler-124571 [abgerufen am 25. Juli 2016].

Abstract:

Eine ungeregelte Unternehmensnachfolge bei Familienunternehmen ist aus Sicht von Kreditinstituten ein Signal für ein potenzielles Problem und wird damit auch als Indikation für eine Unternehmenskrise angesehen. Die aktuellen Zahlen zeigen deutlich, dass in den nächsten Jahren eine hohe Anzahl an Unternehmensübergaben ansteht und häufig ist es der Fall, dass eine familieninterne Nachfolgelösung aufgrund unterschiedlichster Gegebenheiten als nicht realisierbar erscheint. In derartigen Situationen ist es möglich, eine familienexterne Nachfolgelösung anzustreben, was schlussendlich den Verkauf des Familienunternehmens an einen Dritten bedeutet. Im Zuge einer Studie wurde dieser letzte Aspekt genauer untersucht und es galt herauszufinden, wie Kreditinstitute in Deutschland und Österreich dieser Lösung grundsätzlich gegenüberstehen, wie attraktiv familienexterne Modelle im Vergleich untereinander gesehen werden und ob sich diese Einschätzung signifikant verändert, wenn es sich – anstatt eines wirtschaftlich stabilen – um ein in der Krise befindliches Unternehmen handelt.
 
Publiziert in:
Exler, M. W., Situm, M., & Thurnbichler, R. (2015). MBO und MBI als Alternativen zu familieninternen Nachfolgelösungen: Eine Analyse zur Sicht von Kreditinstituten in Deutschland und Österreich. Krisen-, Sanierungs- und Insolvenzberatung, 11(5), 207–213.